Die Menschen in Ägypten und an vielen anderen Orten gehen immer noch auf die Straße und rufen nach mehr Demokratie und mehr Transparenz in der Politik. Das ist ohne Zweifel ein positives Zeichen, ein Signal, dass die Leute in sich eine neue Kraft fühlen, für mehr Freiheit und bessere Lebenschancen alles zu riskieren -- allerdings ist es nur dann positiv, wenn die Proteste nicht gewaltsam eskalieren. Denkt daran, möchte man ihnen zurufen, welche Wirkung Gandhi und Martin Luther King erzielten. Nichts ist wirkungsvoller als gewaltloser Widerstand.
Das Problem sind nicht diese authentischen Rufe nach Frieden, sondern dass gleichzeitig andere Gruppierungen mit weniger edlen Motiven die Lage ausnutzen: Aus dem rechten politischen Lager erhalten verzweifelte Menschen Geld dafür, dass sie die Demonstranten attackieren. Andere Despoten warten nur darauf, dass das jetzige Regime stürzt, weil sie ihre eigene religiöse Tyrannei errichten wollen. Sogar einige demokratische Regierungen versuchen auf subtile Weise, die Dinge zu manipulieren, und verbreiten schamlose Lügen über ihre wahren Ziele -- die dann von WikiLeaks ans Licht gebracht werden.
In der Tat, die Zeiten sind sonderbar. Doch inmitten all dieser widersprüchlichen Signale und Motive glaube ich doch, dass sich ein authentischer Ruf nach Reformen durchsetzt -- und dieser Ruf ist ein deutliches Anzeichen für eine neue Stufe unseres spirituellen Erwachens. In meinem neuen Buch Die Zwölfte Prophezeiung von Celestine nenne ich dieses Erwachen die Zwölfte Erkenntnis. Aber ebenso gut könnte man es die zwölfte „Aufforderung zum Handeln“ nennen, oder die zwölfte „Rückkehr zur Anständigkeit“. Oder einen zwölften „Aufstieg zur authentischen Spiritualität“. Dann alle diese Bezeichnungen sagen etwas über die Merkmale dieses Erwachens aus.
Im Kern spiegeln die öffentlichen Protestaktionen einen Ruf nach einer höheren Form des Handelns wider, die auf Wahrhaftigkeit beruht und bei der Ideen ohne Hintergedanken und ohne Diffamierung des politischen Gegners verbreitet werden -- und bei der unsere Institutionen, von den Regierungen über die Nachrichtenmedien bis zu unseren Familien, zu ehrenwertem Verhalten zurückkehren. Man möchte hinzufügen: „So, wie es früher einmal war.“ Aber wir wissen natürlich, dass Wahrhaftigkeit und Anstand in der Politik wohl immer schon in den Bereich des Wunschdenkens gehört haben.
Vielleicht hat ja der Umstand, dass wir uns als Gesellschaft dieser Heuchelei stets bewusst waren, in der Vergangenheit dazu geführt, dass wir überhaupt nicht mehr an die Kraft der Wahrheit glaubten. Schon seit Jahrzehnten ist in immer größerem Maße akzeptiert worden, dass in der Politik gelogen wird, dass man das Kleingedruckte in Verträgen möglichst geschickt versteckt, bei Korruption beide Augen zudrückt und als einzelner Mensch andere täuscht, um Geld, Ansehen oder Macht zu erlangen. Doch jetzt haben wir offenbar einen Punkt erreicht, wo nicht einmal mehr versucht wird, diesen Integritätsverlust zu verheimlichen. Der Amerikanische Kongress bot im Jahr 2010 ein abschreckendes Beispiel für diesen Verlust jeglicher Moral.
Doch es zeigt sich, dass dieses unfassbare Ausmaß an Lügen, Betrug und Korruption uns endlich aus unserer selbstgefälligen Trägheit wachrüttelt. Die Wende kann aber nicht durch die abstrakte Idee einer Rückkehr zu ethischen Werten herbeigeführt werden. Die Wende geschieht dadurch, dass wir entdecken, welchen Aufschwung unser persönliches Leben nimmt, wenn wir beginnen, uns integer und ehrenhaft zu verhalten. Deswegen spreche ich von einem spirituellen Erwachen. Es zeigt sich nämlich, dass schon kleine Schritte hin zu größerer Integrität sich sofort auszahlen. Denn um anständig und wahrhaftig zu leben, müssen wir einen klaren Blick auf unsere persönliche psychologische Situation entwickeln -- wodurch sich augenblicklich ein Gefühl der Zentriertheit einstellt, so dass wir den ruhenden Pol inmitten der wirbelnden Lebenserfahrungen finden.
Warum ist das wichtig? Weil wir uns erst zentrieren müssen, bevor wir herausfinden können, was wirklich unsere persönliche Wahrheit ist. Dieser innere Raum der Wahrheit wächst dann systematisch, weil immer mehr Lebenswahrheiten den Weg in unser Bewusstsein finden. Das fühlt sich genau so an, wie es die Weisheitslehrer aller religiösen Traditionen seit jeher gesagt haben: Die Wahrheit macht uns frei. Das war immer schon so, auch wenn diese Wahrheit von jeder Generation und jedem einzelnen Menschen ewig neu entdeckt werden muss.
Finden Sie Ihren inneren Ort der Wahrheit, dann wird Ihre Lebensreise Ihnen viel mehr Freude machen. Wenn wir ehrlich und anständig sind, ereignen sich Dinge in unserem Leben, die unsere Bewusstheit immer weiter anheben. Wir bemerken dann die vielen synchronistischen Fügungen. Und wenn wir uns erst einmal die Existenz dieser göttlichen Hand selbst bewiesen haben, die im Universum am Werk ist, führt unsere Suche uns alle in die gleiche Richtung: zum Streben nach spiritueller Wahrheit. Und wenn wir an diese Tür klopfen, kommen wir in Kontakt mit einem größeren Gottesbewusstsein, was sich jedes Mal wie ein Download von Energie, Liebe und Geborgenheit anfühlt.
Und es kommt noch besser! Wir entdecken auf diesem Weg nämlich, dass wir unser spirituelles Bewusstsein sogar noch mehr erweitern können, wenn wir uns bewusst in Einklang mit dem göttlichen Plan für das Universum bringen. Wo finden wir den Schlüssel zu diesem Leben in Harmonie mit dem göttlichen Plan? Bei unserer alten Freundin, der Wahrheit -- besonders wenn wir anderen offen unsere Wahrheit mitteilen. Die meisten von uns wissen, dass „man erntet, was man gesät hat“. Das haben wir wieder und wieder erlebt. Und gegenwärtig sind wie dabei, uns selbst zu beweisen, welche Rolle Ehrlichkeit und Anstand in diesem karmischen Mechanismus spielen.
Wenn wir uns bewusst auf die Suche nach spiritueller Wahrheit begeben, offenbart sich uns der ganze Wirkungsbereich des Karmas. Täuschen wir andere, indem wir uns die Wahrheit für unsere Zwecke zurechtbiegen, ziehen wir Menschen in unser Leben, die uns auf die gleiche Weise täuschen. Das ist keine Strafe, sondern führt uns vor Augen, welchen Schaden unsere Unehrlichkeit anrichtet. So können wir uns bewusst wieder für die Wahrheit entscheiden. Und diese Lektionen hemmen unseren Fortschritt nur so lange, bis wir aus ihnen die richtigen Konsequenzen ziehen.
Andererseits ziehen wir auch dann Gleiches in unser Leben, wenn wir aus der Wahrheit und zum Wohl unserer Mitmenschen handeln -- also jedem Menschen das sagen, von dem wir intuitiv spüren, dass er es wissen sollte, was die Begegnung mit uns für ihn zu einer synchronistischen Fügung macht: Dann ziehen wir nämlich Menschen in unser Leben, die ebenso eine Synchronizität für uns sind. Damit setzen wir den synchronistischen „Flow“ erst so richtig in Gang und werden erfolgreich, weil wir uns nun im Einklang mit dem göttlichen Plan befinden. „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest“ Diese Maxime bekommt dadurch neuen Sinn. Und man könnte hinzufügen: „ … denn sie werden dich genau so behandeln, wie du sie.“
Bezweifeln Sie das? Dann experimentieren Sie einfach für eine Weile mit dem oben beschriebenen Prinzip. Dieses Leben in neuem Einklang mit dem Karma ist nur eine der Entdeckungen, auf die Sie sich freuen können, wenn Sie auf ehrenwerte Weise nach spiritueller Wahrheit suchen. Haben wir uns einmal entschlossen, ein integeres Leben zu führen, erkennen wir, dass uns weitere Schritte zu höherer spiritueller Bewusstheit offenstehen. Und das Beste ist: Wir müssen gar nicht auf die Straße gehen und demonstrieren, um eine gesellschaftliche Veränderung zu bewirken. Wenn wir alle Stufen dieses neuen Bewusstseins integrieren, üben wir einen positiven Einfluss aus, der Tag und Nacht von uns hinaus in die Welt strömt.
In der Wahrheit zu leben ist ansteckend, und es beeinflusst jene, die noch immer in einem korrupten Denksystem feststecken, sich aber nach etwas Neuem sehnen. Jemand stimmt sich auf diesen positiven Einfluss ein, fühlt, dass er nicht allein ist, und schreibt eine E-Mail, mit der er einen Korruptionsvorgang an die Öffentlichkeit bringt. Ein anderer beschließt, ihn zu unterstützen, dann werden es immer mehr, und so wird plötzlich eine gesellschaftliche Institution verbessert. Auf diese Weise ändern sich die Dinge. Manchmal kann das einige Zeit dauern. In anderen Fällen geschieht es sofort, spontan … von einem Augenblick zum anderen.
