Meine Begegnung mit dem unliebsamen Wesen

Erstellt von: Hannah Janina in Community Blog

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Hannah Janina

~ Tag 23 bis 25 ~ 06. bis 08. Juli 2010 ~

 

Unerklärlich.
Bizarr.
Finde Ich mich in diesem Moment in einer undurchdringlichen, beschwerenden Nebelwolke wieder.
Die Augen weit geöffnet.
Ein klopfendes Vibrieren ~ mein Herz.
Wärme und Zittern.
Gleich einem Beben in meiner Mitte.
Tonlosigkeit.
Stille.
Kompass verloren.
Erkenntnis.
Ein klammerndes Wesen hat meinen Rücken erklommen.
Ist heimlich den unbeachteten Baumstamm emporgeklettert.
Bis in die unzähligen Verzweigungen meiner in den weiten Himmel ragenden Baumkrone.
Es reckt neugierig den Hals.
Was möchte es haben?
Was gibt es hier zu finden?
Was ersehnt es sich so sehr, um sich all die Müh` zu machen?

Eine verschwommene Ahnung versucht sich aus der geheimnisvollen Tiefe meiner Selbst Gehör zu verschaffen.
Doch die gegenwärtige Aufmerksamkeit konzentriert sich auf den unliebsamen Fremden ~ welcher auf dennoch vertraute Weise bekannt zu sein scheint.

„Wer bist Du?
Und was willst Du hier?
Wo bin Ich?
Weshalb kann ich nicht mehr sehen?
Warum grinst Du mich so schelmisch an?“

Schweigen.
Was funkeln seine großen, dunklen Augen.

„Bist Du es?
Hast Du mich hierher gebracht?
Dort wo ich vorher war hat es mir besser gefallen.
Da war mehr Licht.
Ich konnte sehen was es dort gab.“

““Konntest Du das wirklich?““

Da spürte ich wieder das Zittern und Grollen.
Ein dunkles Beben in meiner Mitte.

„Fort mit Dir.“
Flüsterte Ich.

““Was sagst Du?
Sag es nochmal.““

Es lugte bohrend über meine Schulter und versenkte seinen wissenden Blick bis in den letzten verborgenen Winkel meiner Seele.

~ Wach auf ~
Bemühte sich die verschwommene Ahnung von vorhin bemerkbar zu machen.

 Ich schüttelte mich ~ aus der Motivation heraus diesen unerwünschten Besucher loszuwerden.

~ Komm zurück ~

Seine langen, knorrigen Finger krallten sich in meine Brust.

““Ich bleibe bei Dir.
Solange wie es mir gefällt.
Nebenbei erwähnt ich habe Hunger.
Sehr, sehr großen Hunger.““

„Was könnte Ich Dir geben, damit Du zufrieden bist?“
Wieder gehst…

““Oh ja. Das ist guuut.““
Vergnügt streichelte es mir über mein Gesicht, nickte mir aufmunternd zu.

„Was ist es?
Was willst Du von mir?“

Es sprang vergnügt von Ast zu Ast.
Ließ sich baumeln.
Und unentwegt blinzelten mich diese großen, dunklen Augen an.
Wie in Trance starrte Ich ihm hinterher.
Es wendete nicht einen Moment den Blick von mir.

Mir ist kalt…

„Nun sag schon.“
Ein leises Flehen.

““Du gibst es mir bereits!““

Unwissend sah ich das unliebsame Wesen an.
Es lächelte.

““Weißt Du das denn nicht?““

Die Stimme aus meinem Inneren wurde etwas lauter.
Nachhaltiger.
~ Bleib bei Dir! ~

 Was ist hier los?
Ich fühle Trauer.
Einen undefinierbaren Schmerz.
Melancholie.
Habe meinen Weg verloren.
Mein Licht…

Nun bin Ich hier.

Das Grollen in mir donnerte mittlerweile aus meiner Mitte heraus.
Es wurde noch kälter und heisser als zuvor…

„Aufhören!
Dafür stehe ich nicht zur Verfügung!“

Ich hielt instinktiv den Atem an.
Plötzliche Stille.

Das Lächeln des vertrauten Fremden erstarrte im selben Augenblick.

„Ich wusste dass Du es bist.
Ich weiß das Du es bist!“

Es nickte.
Beobachtete mich.
Lauernd.

Ein Windhauch durchströmte mich einen winzigen Moment.
Eine wichtige Botschaft verkündete sich mir.

Intuition.
Die innere Stimme.
Der gute Freund.
Mein Engel…

Das Herz setzte einen Moment aus, bevor Ich mich wieder diesem unliebsamen Wesen zuwandte.
““Mehr.““  Sagte es in diesem Moment.
„Nein!“
Schnell packten mich die kalten, knorrigen Hände und drückten meinen Hals zu.
Ersuchend mir jeglichen Atem zu nehmen.

 Da sah Ich ihn.
Ganz zart und leise hatte sich ein schwacher, kaum wahrnehmbarer, dünner, goldener Faden durch die feuchte Nebeldecke zu mir geschlängelt.
Ich spürte wie sich die vertraute, wohlige Wärme langsam wieder in mir ausbreitete und mich auch Aussen umfing.
Neugierig, von aufkeimender Hoffnung erfüllt, betrachtete Ich aufmerksam den goldenen, weichen Lichtschimmer ~ dessen Deutlichkeit und Präsenz währenddessen zunahm.
~ Gut, dass Du endlich wach bist! ~
Verwirrt wandte Ich meine Aufmerksamkeit auf die liebevolle, nachdrückliche Stimme in meinem Innern.
Zugleich richtete sich mein Blick wieder zu dem goldenen Lichtfaden, welcher stets kräftiger, breiter und klarer wurde.
Nun fühlte Ich mich schon viel besser.

Ich bin präsent.
Ich bin wieder wachsam.
Ich bin wieder empfänglich und offen für die Zeichen welche mir unentwegt von magischer Lichtwelt gesandt werden.

Das Wesen klammerte sich kreischend, fast verzweifelt an meine Kehle, packte mich fest umschlungen von hinten, grub seine schmutzigen, kalten Finger um mein Herz.

 Doch nun wusste Ich es.
Ich würde es nicht mehr nähren ~ ihm meine Aufmerksamkeit in diesem Maße schenken.
Ich würde es nicht noch stärker machen, ihm meine Seele ausliefern.
Meine Liebe. Mein Leben. Mein Licht…

 „Ich weiß dass Du es bist.“ Sagte Ich.
„Ich nehme Dich wahr, sehe Dich. Fühle Dich.
Doch will ich Dich nicht bei mir haben.
Hier ist kein Platz für Dich.“

Mittlerweile sah Ich dass sich der goldene Lichtstrahl vervielfältigt hatte.
Ich sah mich und das Wesen in feuchten Nebelschleiern, von zahlreichen, langen Strahlen aus purem Gold und Licht umgeben.
Es zischte und dampfte.

Ich spürte  wie das Wesen sich aufbäumte.
Wütend, zornig und unbefriedigt schrie es in die Stille hinein.

Ich sah fasziniert und erleichtert um mich herum.
Fühlte wie das Licht und die wohlige Wärme zunahmen.
Ich atmete tief und bewusst in mein Innerstes hinein.
Da erkannte ich sie.

Die wunderschöne, goldene Lichtkugel in meinem Herzen.
Ich spürte, wie sie mit jedem weiteren, bewussten Atemzug größer und leuchtender wurde.
Ich bin stark.
Ich habe Mut.
Ich bin das Licht.
Niemals ist es fort gewesen.
Niemals war ich verlassen.
In jedem jüngst vergangenen Moment lag ich sicher eingebettet im Schoß des funkelnden, reinen Lichtermeeres Gottes Selbst.

Der klammernde Griff um meinen Körper löste sich langsam.
Gleich einer großen, kraftvollen Welle, die sich über mich hinweg ~ und dann fortgespült wurde.
Das unliebsame Wesen war nun in jammerndes Seufzen versunken.
Es verbrannte sich seine dunkle, kalte, kleine Gestalt an meinem noch immer anhaltend, stärker werdenden Leuchten.
Schließlich sank es erschöpft und matt zu Boden.
Glitt fast Geräuschlos an meiner rauen, festen Rinde den hohen Stamm hinab und fiel zischend ins feuchte, frische Gras.
Die goldenen, leuchtenden Strahlen welche uns umgaben, durch mich hindurch und darüber hinaus, ihr Licht und ihre Wärme schenkten ~ versengten das Wesen bis es schließlich in stumme Asche zerfiel und sich endgültig auflöste.
Es hatte die Liebe, das Licht und das Vertrauen nicht ertragen.
Es hatte sich selbst ausgelöscht, als es sich damit konfrontiert sah, sich für die magische allgegenwärtige Lichtwelt oder die der ewigen Schatten zu entscheiden.

Ich habe meine Wahl getroffen.
Ich habe den Weg wiedergefunden ~ zurück ins Licht.
Ich vertraue.
Ich liebe.
Ich danke.
Ich weiß.
Ich Bin.

So habe ich mich von der Angst gelöst, welche gewillt war mich Ihrer Untertan zu machen.
Ich Bin Frei…



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