Dieser permanente Energie-Diebstahl, der keine Rücksichten und keine familiären Grenzen kannte, hat sich in verschiedensten Formen der zwischenmenschlichen Gewalt dargestellt. Die heutige Soziologie behauptet, schon immer darum gewusst zu haben, dass hinter jeder Form der zwischenmenschlichen Gewalt das Bestreben steht, den anderen Menschen zu kontrollieren und zu beherrschen.
Doch erst vor kurzem hat die Wissenschaft damit begonnen, dieses Phänomen von innen, vom Standpunkt des individuellen Bewusstseins her, zu erforschen. Einige Wissenschaftler haben sich gefragt, was bei einem Menschen geschieht, wenn er den Wunsch verspürt, einen anderen zu kontrollieren, und stellten dabei folgendes fest:
Wenn zwei Individuen in einem Gespräch aufeinander treffen, also eine ganz alltägliche Situation, dann gibt es zwei mögliche Resultate. Abhängig davon, was sich während der Interaktion ereignet, fühlt sich einer der beiden Gesprächsteilnehmer nach der Unterhaltung stärker und einer schwächer. Deshalb neigen Menschen dazu, eine manipulative Grundhaltung einzunehmen. Egal wie die Situation gelagert ist oder worum es geht. Immer sind wir darauf vorbereitet, alle notwendigen Register zu ziehen, um als Sieger aus einer Situation hervorzugehen und unter allen Umständen die Oberhand zu behalten, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Gelingt es, den eigenen Standpunkt durchzusetzen, fühlen wir uns bestärkt, gelingt es nicht, meinen wir, an Kraft zu verlieren.
Mit anderen Worten, wir versuchen nicht nur uns gegenseitig zu kontrollieren und auszutricksen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sondern auch, weil wir in der Kontrolle über andere einen Energieschub erhalten. Das ist der wahre Grund für die Existenz vieler scheinbar irrationaler Probleme in der Welt - auf individuellem wie nationalem Niveau.
Im soziologischen Bereich drängt dieses Verhalten mehr und mehr ins öffentliche Bewusstsein. Uns wird bewusst, wie sehr wir uns gegenseitig manipulieren, und aus dieser Erkenntnis erfolgt eine - längst überfällige - neue Ausrichtung unserer Motivationen.
Wir suchen nach anderen Möglichkeiten der Interaktion. Diese Neuorientierung ist ein Teil der neuen Weltsicht, von der auch im Manuskript die Rede ist.
Im Extremfall machen die menschlichen Kontrollversuche zum Beispiel auch innerhalb der eigenen Familie nicht vor der Anwendung psychischer Gewalt halt.
Wenn zum Beispiel die Eltern jeden Aspekt im Leben ihres Kindes kontrollieren, so reagiert in diesem Fall das Kind zuerst nervös und eingeschüchtert, bis es dann zu einer explosionsartigen Gegenreaktion kommt, bei der auch physische Gewalt des Kindes gegen seine Eltern - seine Kontrolleure - durchwegs im Bereich des Möglichen liegt.
Wenn Eltern nicht einen Augenblick von ihrem Kind ablassen, gibt es aus der Sicht des Kindes keine andere Möglichkeit, als darauf mit Gewalt zu antworten. Nur so kann das Kind ein Minimum an Kontrolle über sich selbst bewahren. Wenn das Kind dann erwachsen ist, wird es aufgrund seiner traumatischen Erfahrungen leider denken, dass es andere Menschen auf die gleiche Weise kontrollieren und dominieren muss - besonders wenn es sich in der Gesellschaft von Schwächeren und vor allem Kindern befindet.
Wenn also Eltern jeden Aspekt ihres Kindes kontrollieren, so kann man mit großer Wahrscheinlichkeit annehmen, dass sie von ihren Eltern ebenso traumatisiert wurden. Sie dominieren ihr Kind, weil sie ihrerseits von ihren Eltern dominiert wurden. Auf diese Weise wird physische Gewalt von einer Generation zur nächsten weitergegeben.
Oder ein anderer Fall: Zwei Wissenschaftler streiten einander darüber, ob ein bestimmtes Denkmodell richtig oder falsch ist. Im Verlauf des Streites geht einer der beiden so weit dem anderen die fachliche Kompetenz abzusprechen und ihn zu beschimpfen.
Beobachteten wir während dieses Vorfalles das Verhalten der Energiefelder der beiden Streitenden, so konnten wir sehen, wie die beiden Energiefelder einander anzogen und versuchten, einander gegenseitig zu vereinnahmen.
Analysiert man diese Beobachtung gründlich, so gelangt man zu folgendem Schluss: Zwei Menschen, die sich darüber streiten, wer den korrekten Eindruck einer Situation als solches kann das im Streit stehende Denkmodell angesehen werden - wiedergibt, wer recht hat - jeder versucht den anderen auf seinem Feld zu schlagen, treten dabei in eine energetische Wechselbeziehung, welche ausschließlich darauf abzielt, dem jeweils anderen Energie abzuziehen. Dies bedeutet im weiteren, dass wenn wir in der Lage sind, die Bewegungen der Energie systematisch zu beobachten, können wir vielleicht analysieren, was Menschen davon haben, wenn sie in Konkurrenz zueinander treten, miteinander streiten und einander weh tun. Sobald wir Kontrolle über einen anderen Menschen ausüben, eignen wir uns dessen Energie an. Wir tanken uns auf Kosten des anderen auf und werden dadurch motiviert.
Dies bedeutet aber auch, dass ein offener Streit gar nicht ausbrechen muss, da wir Menschen unbewusst dazu neigen, einander zu kontrollieren und zu dominieren, um die Energie des anderen an uns zu binden. Die Energie bestärkt uns und verschafft uns Hochgefühle.
Verinnerlichen wir uns die Vierte Erkenntnis, so stellen wir fest, wie sie zu dem passt was wir schon wissen. Während die Dritte Erkenntnis uns gezeigt hat, dass die physikalische Welt in Wirklichkeit ein System unerschöpflicher Energie ist, beweist uns die Vierte Erkenntnis, dass die Menschheit seit langem um die einzige Form der Energie kämpft, für die sie offen ist; jene, die zwischen uns Menschen fließt.
Dieser Kampf ist die Ursache jedes menschlichen Konflikts auf allen Ebenen, vom geringfügigen Familienstreit zum Gewerkschaftskonflikt bis hin zum Krieg der Nationen. Zugrunde liegt immer ein tiefes Gefühl der Unsicherheit und der Schwäche, das durch den Diebstahl fremder Energie aufgehoben werden soll.
Und wenn wir nun der Meinung sein sollten, dass einige Kriege geführt werden mussten, da sie gerecht waren, so ist dem sofort eines entgegen zu halten: Der einzige Grund, weshalb Konflikte nicht sofort auf eine andere Art beigelegt werden können besteht darin, dass eine der Parteien, gewöhnlich aus energetischen Gründen, auf einer irrationalen Position beharrt, um dadurch Energie zu erhalten.
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